Bienen und Hummeln im Sommer helfen: Wasserstellen, Blüten und was wirklich wirkt

Draussen summt es, brummt es, und wer genau hinschaut, sieht sie von Blüte zu Blüte eilen: Bienen, Hummeln, Wildbienen. Bei sommerlicher Wärme und anhaltender Trockenheit kämpfen sie aber um etwas, das wir kaum beachten – Wasser. Wer im Garten oder auf dem Balkon eine kleine Trinkstelle aufstellt und ein paar richtige Pflanzen setzt, tut mehr für die Bestäuber als jede Spende.

In der Schweiz sind laut WWF von den über 600 einheimischen Wildbienenarten nur etwa 37 Prozent als ungefährdet eingestuft. Der Lebensraum schrumpft, Nahrungsquellen werden seltener, und in heissen Sommerperioden fehlt vielerorts das Wasser. Die gute Nachricht: Jeder Balkon, jede Terrasse, jeder auch noch so kleine Garten kann Teil der Lösung sein.

Warum Bienen und Hummeln dringend Wasser brauchen

Wasser ist für Bienen weit mehr als ein Durstlöscher. Für Honigbienen ist Wasser nicht nur zum Trinken wichtig. Sie verwenden es auch zum Kühlen des Bienenstocks an warmen Tagen. Wildbienen brauchen Wasser, um feuchten Lehm herzustellen, mit dem sie Brutzellen und Nesteingänge abdichten. Hummeln regulieren ihre Körpertemperatur durch Verdunstung – auch dafür brauchen sie Wasser. Normalerweise decken Insekten ihren Wasserbedarf über natürliche Quellen wie Pfützen, Bäche, Teiche oder den Morgentau. Doch bei anhaltender Trockenheit oder in städtischen Gebieten fehlen solche Wasserstellen oft. In versiegelten Quartieren, auf Hochhausbalkons und in akkurat gepflegten Schottergärten ist Wasser schlicht nicht vorhanden.

Eine Insektentränke aufstellen – so geht es

Eine Insektentränke braucht keine zehn Minuten Aufwand. Eine flache Schale oder Tonschüssel mit Wasser befüllen, Steine und schwimmende Korken hineinlegen als Landehilfe. Das ist das Grundprinzip. Wichtig dabei: Die Tränke sollte immer gefüllt sein. Kommen Insekten mehrfach vergeblich, fliegen sie die Wasserstelle womöglich nicht mehr an. Ein täglicher Blick und Nachfüllen genügt. Das Wasser muss auch gewechselt werden, damit es frisch bleibt und keine Stechmücken anzieht. Am besten sollte eine Bienentränke im Halbschatten und in der Nähe von Nisthilfen und bienenfreundlichen Pflanzen platziert werden.

Wer die tägliche Pflege reduzieren möchte, kann eine selbstreinigende Tränke anlegen: Ein etwas grösseres Gefäss, einige Wasserpflanzen wie Tannenwedel, Steine als Landehilfe – fertig ist ein Mini-Biotop, das sich weitgehend selbst reguliert. Es genügt, gelegentlich Wasser nachzufüllen und abgestorbene Pflanzenteile zu entfernen. Nutze am besten Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser und fülle das Wasser so weit ein, dass es knapp unter den höchsten Stein reicht – damit die Insekten bequem trinken können.

Was tun bei einer erschöpften Hummel?

Im Sommer findet man immer wieder Hummeln auf dem Boden, die sich kaum noch bewegen. Oft sind sie schlicht erschöpft und ausgehungert – kein Grund zur Panik, aber ein Anlass zu helfen. Bewährtes Gemisch: Haushaltszucker, Fruchtzucker und Wasser im Verhältnis 30/30/40, um die Akzeptanz der Hummel zu erhöhen. Einen Tropfen auf einen Löffel geben und der Hummel hinstellen – sie nimmt ihn meist gierig auf. Wichtig dabei: Keine offene Fütterung aufstellen, um die Übertragung von Bienenkrankheiten zu vermeiden. Und auf keinen Fall Honig verwenden – er kann Krankheitserreger enthalten. Nach der Stärkung findet die Hummel ihren Weg in der Regel selbst wieder.

Video-Tipp: 10 bienenfreundliche Pflanzen für Balkon und Terrasse

Welche Pflanzen Bienen und Hummeln im Sommer wirklich helfen – von Lavendel bis Phacelia – zeigt dieses aktuelle Video aus dem Herbst 2025.



Die richtigen Pflanzen: Was Bienen wirklich brauchen

Nicht jede Blüte ist eine Nahrungsquelle. Bienenfreundliche Pflanzen zeichnen sich durch ungefüllte, offene Blüten aus, die den Bienen einen einfachen Zugang zu Pollen und Nektar bieten. Gefüllte Zierpflanzen – viele Rosen, Hortensien oder Chrysanthemen – sehen schön aus, nützen Insekten aber kaum, weil Staubblätter und Nektar durch die Überzüchtung verschwunden sind. Für den Sommer besonders wertvoll sind folgende Pflanzen:

  • Lavendel – blüht Juli bis August, duftet unwiderstehlich für Bienen und Hummeln, übersteht Trockenheit gut
  • Boretsch – blüht Juni bis September, kräftiges Blau, einfach aus Samen zu ziehen
  • Oregano und Thymian – Juli bis September, robust, sonnig, auch für den Balkon ideal
  • Phacelia (Bienenweide) – eine der nektarreichsten Pflanzen überhaupt, einjährig, günstig als Samen
  • Schafgarbe – Juni bis September, grossflächige Dolden, für viele Wildbienenarten wichtig
  • Sonnenhut (Echinacea) – Juli bis September, langlebige Staude, auch für Schmetterlinge
  • Kornblume – Juni bis September, einheimisch, gut für Wildbienen
  • Fetthenne (Sedum) – blüht im Spätsommer, wenn vieles andere schon verblüht ist – eine wichtige Spätnahrungsquelle

Bienenfreundliche Pflanzen für den Balkon: Lavendel, Boretsch, Bohnenkraut, Schnittlauch, Dill und Oregano sind alle für Bienen attraktiv und gedeihen sowohl im Garten als auch am Balkon. Wer eine Handvoll davon kombiniert, hat von Juni bis September fast täglich Bestäuber im Kasten.


Lavendel und Hummeln – eine Beziehung, die seit Jahrhunderten funktioniert: Die ungefüllten Blüten bieten einfachen Zugang zu Nektar und sind im Hochsommer oft die letzte verlässliche Nahrungsquelle.

Was nicht hilft – und was schadet

Einige weit verbreitete Gartengewohnheiten schaden Bienen mehr als sie nutzen. Pestizide, auch jene, die als „bienenfreundlich“ vermarktet werden, können Wildbienen und Hummeln schwächen. In der Schweiz ist der Einsatz von Insektiziden und Herbiziden im Haus- und Kleingarten streng geregelt – viele Produkte sind verboten. Im Garten auf chemische Mittel zu verzichten ist nicht nur gesetzlich oft geboten, sondern auch der direkteste Weg, die Insektenwelt zu schützen. Dazu kommt: Schottergärten und versiegelte Flächen sind für Insekten lebensfeindlich. Ein kleines Blumenbeet, ein Kräutertopf auf dem Balkon oder ein ungepflegter Streifen Wiese am Gartenrand leisten mehr als jede Spende an einen Naturschutzverein.

Vom Balkon bis zum Gemeinschaftsgarten

Wer keinen eigenen Garten hat, kann trotzdem aktiv werden. Ein halbschattiger, windgeschützter Ort auf dem Balkon oder der Terrasse eignet sich bestens für ein Mini-Biotop. Sogar ein einzelner Lavendelstock im Topf und eine Untertasse mit Wasser und Kieseln nützen – sie werden gefunden. Wer im Mehrfamilienhaus wohnt, kann die Hausverwaltung oder die Nachbarschaft ansprechen: Eine gemeinsam bepflanzte Ecke vor dem Haus, ein paar Wildblumen im Pflanzkasten an der Einfahrt, eine Insektentränke im Innenhof – kleine Massnahmen mit sofortigem Effekt.


Eine Honigbiene auf der Verbene: Ungefüllte, offene Blüten mit sichtbaren Staubblättern sind das Erkennungsmerkmal wirklich bienenfreundlicher Pflanzen.

Fazit

Bienen und Hummeln retten klingt nach grossem Aufwand. In Wirklichkeit reicht eine flache Schale mit Wasser und Kieseln, ein Topf Lavendel und das Wissen, welche Blüten wirklich nützen. Wer diesen Sommer ein paar Quadratmeter – ob Garten, Balkon oder Fensterbrett – bewusst für Bestäuber einrichtet, bekommt dafür das schönste Dankeschön zurück: ein Summen und Brummen, das sich anfühlt, als wäre die Natur ein kleines Stück nähergekommen.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © MAD.vertise/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © V.P.I/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © Tobias Eicher/Shutterstock.com

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