Vitamin D für Haut, Wohlbefinden und Gesundheit: Mangel erkennen und vorbeugen

Vitamin D übernimmt wichtige Aufgaben im Calcium- und Phosphatstoffwechsel. Fehlt es dem Körper über längere Zeit, kann dies Knochen und Muskeln beeinträchtigen. Trotzdem ist nicht jede Müdigkeit automatisch ein Hinweis auf einen Vitamin-D-Mangel.

Die Beschwerden sind häufig unspezifisch, und viele Betroffene bemerken zunächst überhaupt nichts. Verlässlich feststellen lässt sich ein Mangel nur durch eine ärztlich veranlasste Blutuntersuchung. Dieser Ratgeber erklärt, wie Vitamin D gebildet wird, wer ein erhöhtes Risiko trägt und weshalb hoch dosierte Präparate nicht auf eigene Faust eingenommen werden sollten.

Warum Vitamin D eine besondere Stellung einnimmt

Vitamin D wird zwar als Vitamin bezeichnet, der Körper kann einen grossen Teil davon aber selbst herstellen. Unter dem Einfluss von UVB-Strahlung entsteht Vitamin D3 in der Haut. Anschliessend wird es über mehrere Schritte in Leber und Nieren in biologisch wirksame Formen umgewandelt.

Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen und Zähne sowie zu einer normalen Muskelfunktion bei. Es unterstützt ausserdem die normale Aufnahme und Verwertung von Calcium und Phosphor. Diese Formulierungen entsprechen den zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben. Aussagen, wonach Vitamin D Krankheiten verhindere, heile oder ein geschwächtes Immunsystem „repariere“, gehen deutlich weiter und sind für Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel nicht zulässig.

Ein ausgeprägter, länger bestehender Mangel kann bei Kindern zu Rachitis führen. Dabei wird die Mineralisierung der wachsenden Knochen gestört. Bei Erwachsenen kann eine Osteomalazie entstehen, also eine Erweichung bereits ausgebildeter Knochen.

Wie entsteht ein Vitamin-D-Mangel?

Der wichtigste Einflussfaktor ist eine zu geringe Bildung in der Haut. In der Schweiz reicht die UVB-Strahlung im Spätherbst und Winter häufig nicht aus, um den Bedarf allein über die körpereigene Produktion zu decken. Der Vitamin-D-Spiegel kann deshalb im Verlauf des Winters sinken.

Weitere mögliche Ursachen und Risikofaktoren sind:

  • Wenig Aufenthalt im Freien: Wer sich aus gesundheitlichen, beruflichen oder persönlichen Gründen selten draussen aufhält, bildet möglicherweise weniger Vitamin D.
  • Höheres Lebensalter: Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit der Haut ab, Vitamin D zu produzieren.
  • Dunklere Hautpigmentierung: Ein höherer Melaningehalt schützt die Haut teilweise vor UV-Strahlung, reduziert aber zugleich die Vitamin-D-Bildung.
  • Stark bedeckende Kleidung: Erreicht kaum Sonnenlicht die Haut, kann weniger Vitamin D gebildet werden.
  • Erkrankungen des Verdauungstrakts: Krankheiten wie Zöliakie oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können die Aufnahme fettlöslicher Vitamine beeinträchtigen.
  • Erkrankungen von Leber oder Nieren: Diese Organe sind an der Umwandlung von Vitamin D beteiligt.
  • Starkes Übergewicht: Vitamin D ist fettlöslich und kann im Fettgewebe gespeichert werden. Dadurch steht unter Umständen weniger davon im Blutkreislauf zur Verfügung.
  • Bestimmte Medikamente: Unter anderem einige Antiepileptika und eine längerfristige Behandlung mit Glucocorticoiden können den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen.

Ein einzelner Risikofaktor beweist noch keinen Mangel. Er kann jedoch Anlass sein, die Versorgung bei der nächsten ärztlichen Konsultation anzusprechen.

Welche Symptome können auftreten?

Ein leichter Vitamin-D-Mangel verursacht oft keine klar erkennbaren Beschwerden. Auch allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfung oder verminderte Leistungsfähigkeit sind wenig aussagekräftig. Sie kommen bei zahlreichen Erkrankungen, bei Schlafmangel und in belastenden Lebensphasen vor.

Bei einem ausgeprägten oder länger bestehenden Mangel können diffuse Knochen- und Muskelschmerzen sowie Muskelschwäche auftreten. Bei Erwachsenen kann sich eine Osteomalazie entwickeln. Kinder mit schwerem Mangel können Wachstums- und Knochenveränderungen zeigen.

Internetlisten nennen häufig zusätzlich Infektanfälligkeit, depressive Verstimmungen, Haarausfall oder Gewichtszunahme. Solche Beschwerden lassen sich jedoch nicht zuverlässig einem Vitamin-D-Mangel zuordnen. Eine Eigendiagnose anhand einzelner Symptome ist daher nicht sinnvoll.

Wer gehört zu den Risikogruppen?

Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere bei Säuglingen, älteren Menschen, Personen mit dunkler Haut, Menschen mit sehr wenig Aufenthalt im Freien sowie bei bestimmten chronischen Erkrankungen. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Versorgung im Rahmen der medizinischen Betreuung besprochen werden.

Das BLV empfiehlt älteren Erwachsenen eine Ergänzung mit Vitamin D, da die Bildung in der Haut im Alter nachlässt und die Ernährung den Bedarf häufig nicht vollständig deckt. Für Säuglinge gelten eigene Empfehlungen. Sie erhalten in der Schweiz üblicherweise Vitamin-D-Tropfen nach kinderärztlicher beziehungsweise fachlicher Anleitung.


Mit zunehmendem Alter produziert die Haut bei gleicher Sonneneinstrahlung weniger Vitamin D. Regelmässige Bewegung im Freien bleibt dennoch wertvoll. Ob zusätzlich ein Präparat sinnvoll ist, sollte sich nach den Schweizer Empfehlungen und der persönlichen Gesundheitssituation richten.

Wie wird ein Mangel festgestellt?

Zur Beurteilung der Versorgung wird in der Regel die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D, kurz 25(OH)D, im Blut bestimmt. Dieser Wert spiegelt die Versorgung aus körpereigener Bildung, Ernährung und Ergänzungsmitteln wider.

Ein routinemässiger Vitamin-D-Test ist bei gesunden Menschen ohne Beschwerden oder besondere Risikofaktoren nicht grundsätzlich erforderlich. Sinnvoll kann die Bestimmung beispielsweise bei Verdacht auf eine ausgeprägte Unterversorgung, bei Knochenerkrankungen, wiederholten Knochenbrüchen, bestimmten chronischen Erkrankungen oder vor einer gezielten Behandlung sein.

Die Bewertung sollte durch eine medizinische Fachperson erfolgen. Unterschiedliche Fachgesellschaften verwenden teilweise abweichende Grenzwerte. Zudem muss das Ergebnis gemeinsam mit Beschwerden, Erkrankungen, Medikamenten und möglichen Risikofaktoren betrachtet werden.

Wie viel Vitamin D wird empfohlen?

Die Schweizer Referenzwerte nennen für gesunde Erwachsene bis 59 Jahre eine tägliche Zufuhr von 15 Mikrogramm beziehungsweise 600 Internationalen Einheiten. Für Personen ab 60 Jahren werden 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 Internationale Einheiten angegeben. Ein Mikrogramm Vitamin D entspricht 40 Internationalen Einheiten.

Diese Referenzwerte beschreiben die angestrebte Versorgung gesunder Bevölkerungsgruppen. Sie sind keine allgemeine Dosierungsanweisung für die Behandlung eines nachgewiesenen Mangels. Bei einem Mangel kann zeitweise eine andere Dosierung erforderlich sein. Diese gehört in ärztliche Hand.

Welche Lebensmittel liefern Vitamin D?

Nur wenige Lebensmittel enthalten von Natur aus relevante Mengen. Zu den besseren Quellen gehören fettreiche Fische wie Felchen, Lachs, Hering oder Heilbutt. Kleinere Mengen finden sich in Eigelb, bestimmten Pilzen, Fleisch und Milchprodukten. Daneben gibt es mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel, beispielsweise einzelne pflanzliche Drinks oder Margarinen.

Eine ausgewogene Ernährung trägt zur Versorgung bei, kann den Bedarf aber häufig nicht allein decken. Das gilt besonders im Winter und für Menschen, deren Haut wenig Vitamin D bildet. Hilfreiche Grundlagen für eine vielseitige Lebensmittelauswahl bietet die saisonale Ernährung.


Fettreicher Fisch und Eigelb gehören zu den natürlichen Vitamin-D-Quellen. Da der Gehalt je nach Lebensmittel deutlich schwankt, garantiert eine einzelne Mahlzeit noch keine dauerhaft ausreichende Versorgung.

Sonnenlicht nutzen, ohne den Hautschutz zu vergessen

Von Frühling bis Herbst kann ein regelmässiger Aufenthalt im Freien wesentlich zur Vitamin-D-Bildung beitragen. Wie viel der Körper produziert, hängt von Jahreszeit, Tageszeit, Hauttyp, Alter, Kleidung, Wetter und Höhenlage ab. Allgemeingültige Minutenvorgaben sind daher nur eingeschränkt übertragbar.

Das BAG zeigt anhand von Berechnungen, dass im Schweizer Mittelland während der sonnenreichen Monate bereits relativ kurze Aufenthalte ausreichen können. Langes Sonnenbaden ist dafür nicht erforderlich. Von einer gezielten Bräunung oder einem Sonnenbrand ist dringend abzuraten.

Der Hautschutz bleibt wichtig. Wer länger im Freien bleibt, sollte sich entsprechend UV-Index, Hauttyp und Aufenthaltsdauer schützen. Dazu gehören Schatten, Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenschutzmittel. Weitere Hinweise erklärt der Ratgeber zu LSF, UVA und UVB.

Solarien sind keine geeignete Methode zur Vorbeugung eines Vitamin-D-Mangels. Die künstliche UV-Strahlung erhöht die Belastung der Haut und damit das Risiko für vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs.

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Vitamin-D-Präparate können für bestimmte Bevölkerungsgruppen oder bei einer nachgewiesenen Unterversorgung sinnvoll sein. Dazu zählen insbesondere Säuglinge, ältere Menschen und Personen, die aufgrund ihrer Lebensumstände oder einer Erkrankung kaum Vitamin D bilden beziehungsweise aufnehmen können.

Die Einnahme sollte sich an den offiziellen Schweizer Empfehlungen orientieren. Bei Schwangerschaft, Stillzeit, chronischen Erkrankungen, Nierenproblemen, wiederholten Nierensteinen oder der regelmässigen Einnahme von Medikamenten ist eine vorherige Rücksprache mit Arzt oder Apotheker besonders wichtig.

Bei Tropfen muss genau auf die Konzentration geachtet werden. Unterschiedliche Produkte können pro Tropfen sehr verschiedene Mengen enthalten. Die Dosierung eines bisherigen Präparats darf deshalb nicht ungeprüft auf ein anderes Produkt übertragen werden.


Müdigkeit, Muskelschwäche oder diffuse Schmerzen können zahlreiche Ursachen haben. Eine medizinische Fachperson entscheidet, ob eine Blutuntersuchung auf Vitamin D sinnvoll ist, ordnet das Ergebnis ein und legt bei Bedarf die Behandlung fest.

Viel hilft nicht viel: Risiken einer Überdosierung

Durch Sonnenlicht oder eine übliche Ernährung ist eine Vitamin-D-Überdosierung praktisch nicht zu erwarten. Problematisch kann dagegen die unkontrollierte Einnahme hoch dosierter Präparate werden, besonders wenn mehrere Produkte gleichzeitig Vitamin D enthalten.

Eine anhaltend zu hohe Zufuhr kann den Calciumspiegel im Blut erhöhen. Mögliche Folgen sind Übelkeit, Erbrechen, starker Durst, häufiges Wasserlassen, Muskelschwäche und Herzrhythmusstörungen. In schweren Fällen können Nierensteine oder Nierenschäden auftreten.

Besondere Vorsicht ist bei hoch dosierten Einzelgaben geboten, die nur alle paar Tage, Wochen oder Monate eingenommen werden. Solche Behandlungsschemata sollten ausschliesslich nach medizinischer Verordnung erfolgen. Sie eignen sich nicht zur selbstständigen Vorsorge.

Video-Tipp: Wie sinnvoll sind Vitamin-D-Präparate?

Dr. Julia Fischer ordnet für ARD Gesund ein, wann Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein können und weshalb eine hohe Dosierung nicht automatisch einen grösseren Nutzen bringt.



Fazit

Vitamin D ist für den Calcium- und Phosphatstoffwechsel sowie für normale Knochen und Muskeln wichtig. Ein Mangel bleibt häufig lange unbemerkt. Allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit reichen für eine Diagnose nicht aus.

Regelmässige Aufenthalte im Freien, sorgfältiger Sonnenschutz und eine abwechslungsreiche Ernährung bilden die Grundlage der Vorsorge. Für bestimmte Alters- und Risikogruppen können Vitamin-D-Präparate empfohlen sein. Hoch dosierte Produkte gehören jedoch nicht zur harmlosen Selbstmedikation. Besteht der Verdacht auf einen Mangel, ist die medizinische Abklärung der sicherste Weg.

 

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