Wie verhindert man, dass Regenwasser direkt aus einem kleinen Garten abfliesst?

Regenwasser bleibt länger im Garten, wenn es auf durchlässige Flächen trifft, zwischengespeichert wird und an geeigneten Stellen versickern kann. Dafür lassen sich befestigte Flächen verkleinern, Dachwasser sammeln und bepflanzte Rückhaltebereiche schaffen. Entscheidend ist das Zusammenspiel dieser Massnahmen. Eine Regentonne allein verhindert den Abfluss nicht, und auch ein Sickerbeet muss zum Boden und zur zufliessenden Wassermenge passen.

In einem kleinen Garten zählt jeder Quadratmeter. Wege, Sitzplatz, Beete und Speicher sollten deshalb gemeinsam geplant werden. Das Ziel ist, möglichst viel Wasser vor Ort zu nutzen und den schnellen Abfluss zu vermindern. Bei starken Niederschlägen kann trotzdem überschüssiges Wasser entstehen. Es braucht daher einen vorgesehenen Weg, der weder Gebäude noch benachbarte Grundstücke zusätzlich gefährdet.

Zuerst beobachten, woher das Wasser kommt

Vor einer Umgestaltung wird geklärt, welche Flächen Wasser liefern und welchen Weg es nimmt. Dachflächen, ein dicht belegter Sitzplatz und ein geneigter Gartenweg können ihre Abflüsse an derselben Stelle zusammenführen. Ebenso kann Wasser von ausserhalb zufliessen. Eine einfache Skizze mit Fallrohren, Höhenunterschieden, Einläufen und vorhandenen Pfützen hilft, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Beobachtungen während eines gewöhnlichen Regens liefern erste Hinweise. Ausgewaschene Erde, Schlammspuren und wiederkehrende Wasseransammlungen zeigen problematische Stellen. Bei einer möglichen Starkregengefährdung ergänzt die Schweizer Gefährdungskarte Oberflächenabfluss die Bestandsaufnahme. Sie ist jedoch eine modellierte Übersicht und ersetzt keine Prüfung vor Ort. Gerade kleine Randsteine, Schwellen und Geländeänderungen können den tatsächlichen Wasserweg beeinflussen.


Betonsteine mit begrasten Zwischenräumen auf einer befestigten Fläche.

Versiegelte Flächen auf das notwendige Mass reduzieren

Eine wirksame Massnahme beginnt dort, wo der Regen auftrifft. Nicht jeder Bereich muss vollständig mit dichten Platten, Beton oder Asphalt belegt sein. Ein schmalerer Weg, einzelne Trittplatten oder ein zusätzlicher Pflanzstreifen können offene Bodenfläche schaffen. Dabei bleiben die Nutzungsanforderungen wichtig: Ein häufig begangener Weg muss sicher und ausreichend tragfähig sein, auch wenn die Oberfläche Wasser aufnehmen soll.

Wasserdurchlässige Fugen, geeignete Pflastersteine oder andere durchlässige Beläge können den Abfluss vermindern. Ihre Wirkung hängt aber vom gesamten Aufbau ab. Eine offene Fuge über einer dichten Unterlage schafft noch keine funktionierende Versickerung. Auch der Untergrund muss das Wasser aufnehmen oder kontrolliert weitergeben können. Bei einer Erneuerung werden deshalb Belag, Bettung, Tragschicht und Entwässerung zusammen betrachtet.

Den Boden als Wasserspeicher erhalten

Eine begrünte Fläche ist nur dann aufnahmefähig, wenn der Boden seine Funktionen erfüllen kann. Verdichtung behindert das Eindringen von Wasser und das Wachstum der Wurzeln. Sie kann beispielsweise durch Bauarbeiten oder wiederholtes Befahren entstehen. Eine dünne Schicht neuer Erde über einem verdichteten Untergrund behebt das Problem nicht automatisch. Bei dauerhaft stehendem Wasser muss deshalb der vorhandene Bodenaufbau untersucht werden.

Kompost, passende Bodenabdeckung und eine standortgerechte Bepflanzung unterstützen das Bodenleben. Bodenorganismen tragen zu einer durchlässigen Struktur bei, während organisches Material die Wasserspeicherung fördern kann. Diese Pflege verbessert die Voraussetzungen langfristig. Sie ersetzt allerdings keine fachliche Abklärung, wenn eine grössere Dachfläche gezielt in einen kleinen Garten entwässert werden soll oder der Untergrund kaum Wasser durchlässt.



Die Wassermenge realistisch einschätzen

Auch eine kleine Dachfläche kann erhebliche Mengen liefern. Ein Millimeter Niederschlag entspricht einem Liter Wasser pro Quadratmeter. Auf eine waagerecht projizierte Dachfläche von 20 Quadratmetern fallen bei 20 Millimetern Regen rechnerisch 400 Liter. Die tatsächlich gesammelte Menge hängt unter anderem von Verlusten und der angeschlossenen Fläche ab. Das Beispiel zeigt trotzdem, weshalb eine kleine Tonne rasch gefüllt sein kann.

Für die Planung zählen ausser der Gesamtmenge auch Dauer und Intensität des Regens. Ein Boden kann Wasser über mehrere Stunden aufnehmen und bei einem kurzen kräftigen Schauer dennoch überfordert sein. Ebenso spielt eine Rolle, ob er bereits durch frühere Niederschläge gesättigt ist. Speichergrösse und Versickerungsfläche werden deshalb auf die angeschlossenen Flächen und die örtlichen Bedingungen abgestimmt, nicht allein auf den verfügbaren Platz.

Dachwasser speichern und für die Bewässerung nutzen

Eine Regentonne kann einen Teil des Dachwassers auffangen und später für Beete oder Kübelpflanzen bereitstellen. Oberirdische Behälter sind gut zugänglich und lassen sich leichter kontrollieren als unterirdische Anlagen. Für einen kleinen Garten kann ein schlanker Speicher eine praktische Lösung sein. Der Beitrag „Regenwasser sammeln im Garten: Was erlaubt ist – und welches System sich lohnt“ stellt verschiedene Möglichkeiten vor.

Die Rückhaltewirkung hängt vom freien Volumen ab. Eine bereits volle Tonne kann beim nächsten Regen kaum zusätzliches Wasser aufnehmen. Regelmässige Nutzung für die Bewässerung schafft wieder Platz, soweit die Pflanzen tatsächlich Wasser benötigen. Zum System gehören zudem ein geeigneter Zulauf, eine sichere Aufstellung und ein geplanter Überlauf. Ein Behälter sollte nicht unkontrolliert unmittelbar an der Hauswand überlaufen.


Geschlossener Regenwasserspeicher mit Zapfhahn und Verbindung zum Fallrohr.

Ein bepflanzter Rückhaltebereich kann Wasser zeitweise aufnehmen

Ein Regengarten oder Sickerbeet wird so gestaltet, dass zufliessendes Regenwasser vorübergehend aufgenommen wird. Danach versickert es durch den geeigneten Bodenaufbau, wird von Pflanzen genutzt oder verdunstet. Eine flache, bepflanzte Mulde kann sich gestalterisch in den Garten einfügen. Sie unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Beet dadurch, dass Zulauf, Speicherraum und Entleerung bewusst geplant sind.

Der Standort muss dafür geeignet sein. Bodenbeschaffenheit, Grundwasserverhältnisse, Leitungen und die Nähe zu Gebäuden beeinflussen die Möglichkeiten. Eine vorhandene nasse Ecke ist nicht automatisch der beste Platz; dauerhaft stehendes Wasser kann gerade auf eine geringe Durchlässigkeit hinweisen. Versickerungsversuche und eine fachliche Beurteilung helfen, die Eignung zu klären. Eine beliebig ausgehobene Mulde bietet keine verlässliche Entwässerungslösung.

Wasser langsam und ohne Erosion zuführen

Der Zulauf sollte das Wasser in den vorgesehenen Bereich bringen, ohne Erde wegzuspülen. Bei konzentriertem Dachwasser kann eine dafür geplante oberirdische Rinne oder eine andere geeignete Führung erforderlich sein. Der Eintrittsbereich muss die Belastung aufnehmen können. Eine möglichst breite Verteilung kann den Wasserstrom bremsen. Ein offenes Fallrohr, das einen kräftigen Strahl auf ungeschützten Boden richtet, ist dagegen ungünstig.

Bei geneigtem Gelände ist die Wasserführung besonders sorgfältig zu prüfen. Kleine Höhenänderungen können beeinflussen, ob das Wasser im Rückhaltebereich ankommt oder an ihm vorbeifliesst. Der Beitrag „Gärtnern am Hang: Terrassierung, sichere Wege und passende Pflanzen“ erläutert die Verbindung von Gefälle, Boden und Gestaltung. Grössere Terrainveränderungen oder Arbeiten an Stützkonstruktionen benötigen eine entsprechend fundierte Planung.



Das deutschsprachige Breitbildvideo „Regenwasser im Garten nutzen“ vom Kanal „naturimgarten“ zeigt, wie Dachwasser gesammelt und für die Bewässerung verwendet werden kann. Es veranschaulicht die Regenwassernutzung als einen Baustein der Gartenplanung.


Begrünung und Bodenabdeckung sinnvoll kombinieren

Pflanzen nutzen einen Teil des gespeicherten Wassers und geben es durch Verdunstung wieder ab. Für einen Rückhaltebereich werden Arten gewählt, die mit den tatsächlich zu erwartenden Bedingungen zurechtkommen. Zeitweise feuchte Bereiche und höher gelegene, trockenere Ränder können unterschiedliche Pflanzen verlangen. Eine Auswahl ausschliesslich nach Blütenfarbe oder Wuchshöhe berücksichtigt diese Unterschiede nicht ausreichend.

Auch gewöhnliche Gartenbeete tragen zum örtlichen Wasserhaushalt bei. Passende Bodenabdeckung schützt die Oberfläche und unterstützt das Bodenleben. Offene Pflanzflächen sollten deshalb bei der Gestaltung nicht nur als Rest zwischen Wegen und Sitzplatz entstehen. Ihre Grösse und Lage werden bewusst festgelegt. Zugleich bleibt klar: Ein gemulchtes Beet wird dadurch noch nicht zu einer ausreichend bemessenen Versickerungsanlage für zusätzliches Dachwasser.


Gartenfläche mit Rasen, Gehölzen und mit Rindenmaterial abgedeckten Beeten.

Gebäude und Nachbargrundstücke mitberücksichtigen

Wasser darf durch eine neue Gestaltung nicht an gefährdete Gebäudeöffnungen geführt werden. Kellerfenster, Lichtschächte, tiefe Türen und Garagenzufahrten gehören deshalb in die Bestandsaufnahme. Auch eine Versickerung nahe an Fundamenten kann problematisch sein. Die notwendigen Abstände und konstruktiven Vorkehrungen hängen vom Standort und vom Gebäude ab und werden bei der Planung fachlich festgelegt.

Ebenso wichtig ist der Überlastfall. Wenn Speicher und Rückhaltefläche gefüllt sind, braucht das zusätzliche Wasser einen vorgesehenen, schadarmen Weg. Dieser kann je nach Entwässerungskonzept eine weitere geeignete Fläche oder eine zulässige Ableitung sein. Das blosse Aufstauen an der Grundstücksgrenze oder Umleiten zum Nachbarn löst das Problem nicht. Schutzmassnahmen sollen die Gefährdung benachbarter Grundstücke nicht wesentlich erhöhen.

Vor Änderungen die örtlichen Vorgaben klären

Regenwasser lässt sich nicht überall und unabhängig von seiner Herkunft versickern. Der Schutz des Grundwassers hat Vorrang. Belastete Standorte, Grundwasserschutzzonen oder ungeeignete Untergrundverhältnisse können die Möglichkeiten begrenzen. Auch Wasser von bestimmten Dach- und Verkehrsflächen kann zusätzliche Anforderungen auslösen. Die Herkunft des Wassers gehört deshalb ebenso zur Prüfung wie die Grösse der geplanten Anlage.

Bewilligungspflichten unterscheiden sich nach Kanton und Ausführung. Die zuständige Gemeinde kann Auskunft zum Entwässerungsplan, zu Versickerungsmöglichkeiten und zum erforderlichen Verfahren geben. Änderungen an angeschlossenen Dachentwässerungen werden mit dem bestehenden System abgestimmt. Besonders unterirdische Anlagen, grössere Erdarbeiten und konzentrierte Versickerungen sollten nicht allein anhand einer allgemeinen Gartenanleitung umgesetzt werden. Eine Skizze des Vorhabens erleichtert die frühzeitige Abklärung.


Herbstlaub hat sich in einer Dachrinne entlang der Dachkante angesammelt.

Zuläufe, Überläufe und Flächen funktionsfähig halten

Ein gut geplantes System braucht regelmässige Kontrolle. Laub und Ablagerungen können Dachrinnen, Filter und Zuläufe beeinträchtigen. Dadurch erreicht das Wasser den vorgesehenen Speicher möglicherweise nicht oder tritt an einer anderen Stelle aus. Auch der Überlauf muss frei und funktionsfähig bleiben. Schwer erreichbare Dachbereiche werden mit geeigneter Ausrüstung oder durch einen Fachbetrieb kontrolliert.

Durchlässige Beläge und bepflanzte Rückhalteflächen werden ebenfalls beobachtet. Ablagerungen können die Wasseraufnahme vermindern, während ausgewaschene Stellen auf einen ungünstigen Zulauf hinweisen. Bleibt Wasser unerwartet lange stehen oder fliesst es an der Anlage vorbei, wird die Ursache geprüft. Eine zusätzliche Kiesauflage verdeckt das Problem möglicherweise, ohne den darunterliegenden Aufbau oder die Wasserführung zu verbessern.

Mit wenigen abgestimmten Massnahmen beginnen

Für einen kleinen Garten ist eine klare Reihenfolge hilfreich: Zuerst werden Wasserwege und Bodenbedingungen erfasst, danach unnötig dichte Flächen reduziert und geeignete Speicher- oder Rückhaltebereiche festgelegt. Jede Massnahme bekommt eine bestimmte Aufgabe. Ein Behälter liefert Bewässerungswasser, eine offene Bodenfläche nimmt Regen auf und eine geplante Mulde hält Zufluss zeitweise zurück. Die Verbindungen zwischen diesen Bereichen werden mitgeplant.

Nach der Umsetzung wird bei verschiedenen Niederschlägen geprüft, ob das Wasser den vorgesehenen Weg nimmt. So lassen sich Schwachstellen erkennen und gezielt korrigieren. Nicht jedes Extremereignis kann vollständig auf einem kleinen Grundstück zurückgehalten werden. Eine abgestimmte Gestaltung vermindert aber den schnellen Abfluss und nutzt Regenwasser besser, während der Umgang mit überschüssigem Wasser von Anfang an berücksichtigt bleibt.

 

Bildquellen: Titelbild: Depositphotos/londondeposit; Bild 1: Depositphotos/kitthanes_r@hotmail.com; Bild 2: Depositphotos/doethion; Bild 3: Depositphotos/numismarty; Bild 4: Depositphotos/FER737NG

Publireportagen

Empfehlungen