Photovoltaik und Dachsanierung: Wann sich die Kombination für ältere Gebäude wirklich lohnt
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Alltag architektenwelt.com Ausbau Bau bauenaktuell.ch Baustelle Dach Elektro Elektronik handwerker24.ch Haus, Garten & Einrichtung Holz hometipp.ch Immobilien Magazine Nachhaltigkeit nachrichtenticker.ch Natur & Umwelt News Projekte Regionen Renovation Renovieren Sanierung Schweiz Sicherheit Strategie Technologie Themen Tipps Trends wohnenaktuell.ch Zubehör Ⳇ Verbreitung
Ein Dach kann sonnig, gross und perfekt nach Süden ausgerichtet sein und trotzdem noch lange nicht bereit für eine Photovoltaikanlage. Gerade bei älteren Gebäuden entscheidet zuerst die Bausubstanz: Wie tragfähig ist die Konstruktion? Wie lange hält die Dachdeckung noch? Ist das Unterdach intakt, die Abdichtung dicht und die Befestigung überhaupt ohne problematische Eingriffe möglich? Wer diese Fragen erst stellt, wenn die Solarmodule bereits geliefert sind, plant in der falschen Reihenfolge.
Eine Photovoltaikanlage ist auf einen langen Betrieb ausgelegt. EnergieSchweiz empfiehlt deshalb aus wirtschaftlicher Sicht, dass das Dach noch eine Restlebensdauer von mindestens 25 Jahren besitzt. Steht ohnehin bald eine Neueindeckung oder Flachdachsanierung an, lohnt sich häufig die Kombination beider Arbeiten. Das verhindert, dass eine junge PV-Anlage nach wenigen Jahren wieder demontiert, zwischengelagert und anschliessend erneut montiert werden muss. Vor der Bestellung der Module gehört deshalb zuerst das Dach auf den Prüfstand.
Die wichtigste Zahl steht in keinem Solarrechner
Online lässt sich heute innerhalb weniger Minuten abschätzen, welches Solarstrompotenzial ein Dach besitzt. Ausrichtung, Fläche, Verschattung und Sonneneinstrahlung liefern eine erste Vorstellung vom möglichen Ertrag.
Für Handwerker beginnt die entscheidende Prüfung jedoch an anderer Stelle.
Ein digitales Solarpotenzial sagt nichts darüber aus, ob ein 40 Jahre altes Dach noch weitere 25 Jahre dicht bleibt. Es erkennt keine angefaulten Sparren, gebrochenen Ziegel, nachträglich entfernten Aussteifungen oder eine gealterte Flachdachabdichtung.
Auch das Bundesamt für Energie weist darauf hin, dass die Werte von sonnendach.ch als grobe Orientierung zu verstehen sind und keine Fachberatung am Objekt ersetzen.
Bevor eine Anlage geplant wird, braucht es deshalb eine Bestandsaufnahme des Dachs.
Alt ist nicht automatisch schlecht
Das Baujahr allein entscheidet nicht über die Eignung.
Ein fachgerecht erstelltes und regelmässig unterhaltenes älteres Ziegeldach kann noch in gutem Zustand sein. Umgekehrt kann eine deutlich jüngere Dachkonstruktion bereits Feuchteschäden, unsaubere Reparaturstellen oder problematische Anschlüsse aufweisen.
Wichtiger als das Alter sind deshalb Zustand und Restlebensdauer.
Bei einem Steildach werden unter anderem Dachziegel oder andere Deckmaterialien, Lattung, Unterdach, Anschlüsse und Tragkonstruktion beurteilt. Beim Flachdach stehen Abdichtung, Anschlüsse, Gefälle, Abläufe und der vorhandene Dachaufbau im Mittelpunkt.
Die zentrale Frage lautet: Wird dieses Dach voraussichtlich mindestens so lange zuverlässig funktionieren, wie die neu montierte Anlage darauf bleiben soll?
25 Jahre Restlebensdauer sind eine wichtige Orientierung
EnergieSchweiz nennt für Dächer mit Photovoltaik eine klare wirtschaftliche Orientierung: Bei allen Dacharten sollte die verbleibende Lebensdauer des Dachs noch mindestens 25 Jahre betragen.
Das ist keine Garantie, dass in diesem Zeitraum nie eine Reparatur anfällt. Die Empfehlung verhindert vielmehr einen offensichtlichen Zielkonflikt.
Angenommen, eine PV-Anlage wird heute auf ein Dach montiert, dessen Eindeckung voraussichtlich in sechs Jahren ersetzt werden muss. Dann steht bei der Dachsanierung zusätzliche Arbeit an:
- PV-Anlage elektrisch ausser Betrieb nehmen;
- Module und Unterkonstruktion teilweise oder vollständig demontieren;
- Bauteile sicher lagern;
- Dach sanieren;
- Montagesystem erneut anpassen und installieren;
- Module wieder montieren und verkabeln;
- Anlage prüfen und erneut in Betrieb nehmen.
Hinzu können Gerüst, Hebetechnik und zusätzliche Koordination kommen.
Das technisch Machbare ist deshalb nicht immer wirtschaftlich sinnvoll.
Wann zuerst das Dach saniert werden sollte
Eine vorgängige Dachsanierung ist besonders naheliegend, wenn Deckung oder Abdichtung bereits deutliche Alterungserscheinungen zeigen.
Warnzeichen können unter anderem sein:
- zahlreiche beschädigte oder ausgetauschte Dachziegel;
- brüchige beziehungsweise stark gealterte Deckmaterialien;
- wiederkehrende Undichtigkeiten;
- Feuchtespuren im Dachraum;
- beschädigte Unterdächer oder Unterspannbahnen;
- problematische Anschlüsse an Kamin, Dachfenster und andere Aufbauten;
- sanierungsbedürftige Flachdachabdichtungen;
- Holzschäden an Sparren, Pfetten oder Lattung;
- Korrosionsschäden an tragenden Metallteilen;
- bereits geplante energetische Verbesserungen am Dach.
Wer mehrere Gebäudeteile erneuern möchte, sollte die PV-Anlage in einen übergeordneten Ablauf einordnen. Der Beitrag über einen sinnvollen Sanierungsfahrplan für Dach, Fassade, Fenster und Heizung zeigt, warum abgestimmte Arbeitsschritte Doppelarbeiten verhindern können.
Tragfähigkeit: Das Modulgewicht ist nur ein Teil der Rechnung
Eine häufige Frage lautet, wie viele Kilogramm Photovoltaik ein altes Dach zusätzlich tragen kann.
Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht.
Das Eigengewicht der Module und Unterkonstruktion ist lediglich eine von mehreren Belastungen. Gleichzeitig wirken Schnee, Wind und bei bestimmten Systemen zusätzlicher Ballast auf die Konstruktion.
Entscheidend ist zudem, wo die Kräfte eingeleitet werden.
Bei einem Schrägdach muss die Unterkonstruktion die auftretenden Lasten zuverlässig in das Tragwerk übertragen. Auf einem Flachdach können ballastierte Montagesysteme zusätzliche Gewichtslasten erzeugen.
Vor allem bei älteren Gebäuden ist deshalb zu klären, ob ausreichende Tragreserven vorhanden sind.
EnergieSchweiz verlangt für die technische Planung ausdrücklich eine Prüfung der statischen Tragfähigkeit und die Berücksichtigung der maximalen Windbelastung.
Schnee macht den Standort entscheidend
Ein Dach im Schweizer Mittelland und ein Dach in einer höher gelegenen Bergregion müssen nicht für dieselben Schneelasten ausgelegt werden.
Photovoltaik verändert zusätzlich die Oberfläche des Dachs. Auf einem geneigten Modulfeld kann Schnee anders haften und abrutschen als auf einer herkömmlichen Dachdeckung.
Damit entsteht neben der Statik eine zweite Fragestellung: Was passiert mit abrutschendem Schnee?
Über Eingängen, Gehwegen, Terrassen oder öffentlichen Bereichen können Schneefangsysteme erforderlich sein. Die konkrete Ausführung hängt vom Dach, Standort und Anlagenlayout ab.
Ein bestehender Schneefang darf durch die neue Unterkonstruktion nicht einfach unwirksam werden.
Wind zieht am Dach statt nur darauf zu drücken
Bei Photovoltaik wird Wind gern unterschätzt.
Besonders an Dachrändern und Gebäudeecken können erhebliche Windsogkräfte auftreten. Die Module wirken dabei als zusätzliche angeströmte Flächen.
Deshalb reicht es nicht, lediglich das Gesamtgewicht der PV-Anlage zu betrachten.
Unterkonstruktion, Befestigungspunkte und Tragwerk müssen die auftretenden Windkräfte aufnehmen können. Bei ballastierten Flachdachanlagen muss gleichzeitig geprüft werden, ob die notwendige Ballastierung mit den vorhandenen Tragreserven vereinbar ist.
Das Anlagenlayout sollte deshalb nicht nach dem Prinzip entstehen, möglichst viele Module auf jede freie Stelle zu legen. Randbereiche, Aufbauten und unterschiedliche Windzonen auf dem Dach gehören in die Planung.
Ein Blick von innen kann mehr verraten als das schöne Ziegeldach
Von aussen kann ein Dach ordentlich aussehen, während im Dachraum längst Probleme sichtbar sind.
Bei zugänglichen Dachstühlen lohnt deshalb der Blick auf die Tragkonstruktion.
Auffällig sind beispielsweise dunkle Feuchtespuren, Verformungen, alte Reparaturen, Schädlingsbefall, gerissene Hölzer oder ungewöhnliche Veränderungen an tragenden Teilen.
Auch frühere Umbauten sind interessant.
Wurde ein Dachgeschoss nachträglich ausgebaut, ein Kamin entfernt, eine Gaube eingebaut oder ein Tragwerk verändert, sollte nachvollziehbar sein, wie diese Eingriffe konstruktiv gelöst wurden.
Eine Sichtkontrolle ersetzt dabei keine statische Berechnung. Sie hilft jedoch, Stellen zu erkennen, die vertieft untersucht werden müssen.
Was am Steildach tatsächlich geprüft werden muss
Bei klassischen Ziegeldächern sitzen Solarmodule nicht einfach auf den Dachziegeln.
Das Montagesystem muss seine Lasten in geeignete tragende Bereiche der Dachkonstruktion übertragen. Wie das geschieht, hängt vom gewählten System und Dachaufbau ab.
Vor der Montage sind deshalb mehrere Ebenen relevant:
Ein altes Dach mit zehn unterschiedlichen Reparaturziegeln muss deshalb nicht automatisch ungeeignet sein. Es ist aber ein guter Grund, genauer hinzusehen.
Unter der PV wird eine spätere Reparatur aufwendiger
Die Solarmodule schützen die darunterliegende Dachdeckung teilweise vor direkter Witterung. Gleichzeitig erschweren sie den Zugang.
Muss später ein einzelner Ziegel mitten unter dem Modulfeld ersetzt werden, können zunächst Module und Teile der Montageschienen demontiert werden müssen.
Das spricht dafür, schwache oder beschädigte Bereiche vor der Installation zu erneuern.
Besonders problematisch ist eine Haltung nach dem Motto: „Das hält sicher noch ein paar Jahre.“
Eine Photovoltaikanlage wird gerade nicht für ein paar Jahre montiert.
Flachdächer verlangen einen anderen Blick
Beim Flachdach ist die Ausgangssituation grundlegend anders.
Hier bildet eine Abdichtung die entscheidende wasserführende Ebene. Sie kann aus unterschiedlichen Systemen bestehen und liegt je nach Dachaufbau offen, unter Schutzschichten oder unter einer Begrünung.
Vor der PV-Montage sind insbesondere Zustand und Restlebensdauer dieser Abdichtung zu prüfen.
Problematische Stellen sind häufig:
- Nähte und Anschlüsse;
- Dachränder und Attiken;
- Durchdringungen;
- Dachabläufe;
- Übergänge zu technischen Aufbauten;
- bereits reparierte Schadstellen.
Steht eine Erneuerung der Abdichtung ohnehin in absehbarer Zeit an, spricht vieles dafür, sie vor der Solaranlage auszuführen.
Ballastiert bedeutet nicht belastungsfrei
Viele Photovoltaiksysteme auf Flachdächern lassen sich ohne direkte Dachdurchdringung aufstellen.
Das klingt zunächst ideal: Die Abdichtung bleibt unversehrt.
Dafür muss das System auf andere Weise gegen Windverschiebung und Abheben gesichert werden. Je nach Konstruktion kann dazu Ballast erforderlich sein.
Diese Last kommt zur PV-Anlage hinzu.
Gleichzeitig muss geprüft werden, wie die Last auf Dämmung und Dachkonstruktion verteilt wird. Die Unterkonstruktion darf die Dachhaut nicht beschädigen und keine ungeeigneten punktuellen Belastungen verursachen.
„Ohne Bohrung“ bedeutet deshalb nicht „ohne Planung“.
Abdichtung darf kein Nebenthema sein
Der Wechselrichter ist teuer, die Module sind sichtbar und die elektrische Leistung lässt sich messen. Die Dachabdichtung arbeitet dagegen weitgehend unsichtbar.
Gerade deshalb darf sie bei einer Solaranlage nicht zur Nebensache werden.
Jede notwendige Durchführung durch wasserführende Schichten muss fachgerecht in das vorhandene Abdichtungssystem integriert werden.
Improvisierte Leitungsdurchführungen, schlecht angeschlossene Manschetten oder nachträglich gebohrte Öffnungen können Schäden verursachen, deren Ursache erst viel später entdeckt wird.
Das gilt für Steil- und Flachdächer gleichermassen: Kabelwege gehören früh in die Planung.
Bei Indach-Photovoltaik wird die Solaranlage selbst zum Dach
Noch enger werden Dach und Solartechnik bei einer Indachanlage verbunden.
Hier liegen die Module nicht auf einer bestehenden Dachdeckung. Sie übernehmen selbst Funktionen der Dachhaut und ersetzen in den belegten Bereichen die übliche Eindeckung.
Damit wird Dichtigkeit zu einer zentralen Produkteigenschaft des gesamten Systems.
EnergieSchweiz weist unter anderem auf dichte Stossfugen und die Anforderungen an ein geeignetes Unterdach hin.
Gerade wenn ein altes Dach vollständig neu gedeckt werden muss, kann eine solche Lösung interessant sein. Statt zuerst eine komplette neue Ziegeldeckung zu erstellen und danach eine zweite Ebene aus Solarmodulen darüberzusetzen, werden Dachsanierung und Stromproduktion gemeinsam geplant.
Das funktioniert jedoch nur, wenn Dachdecker-, Spengler- und Elektroarbeiten sauber aufeinander abgestimmt sind.
Bei alten Faserzementdächern kann Asbest die Planung verändern
Ein besonders wichtiger Sonderfall sind ältere Faserzementdächer.
Bei Gebäuden, die vor 1990 erstellt wurden, muss in der Schweiz mit asbesthaltigen Materialien gerechnet werden. Das betrifft unter anderem ältere Faserzementplatten.
Für die PV-Montage ist das gleich aus zwei Gründen relevant.
Erstens sind viele Faserzement-Wellplatten nicht durchbruchsicher. Zweitens können beim Bohren, Sägen, Brechen oder anderen mechanischen Arbeiten gefährliche Asbestfasern freigesetzt werden.
Die Suva empfiehlt deshalb, asbesthaltiges Bedachungsmaterial vor der Montage einer Solaranlage vollständig zu ersetzen.
Das ist auch wirtschaftlich nachvollziehbar: Eine neue PV-Unterkonstruktion auf eine bereits jahrzehntealte, belastete Dachdeckung zu setzen, verschiebt eine ohnehin notwendige Sanierung lediglich nach hinten.
Mehr zur Abklärung bei älteren Gebäuden zeigt der Beitrag „Asbest: Wo der Gefahrstoff stecken kann und was Eigentümer beachten müssen“.
Eine neue PV-Anlage kann der richtige Moment für die Dämmung sein
Wenn das Dach für die Solaranlage ohnehin geöffnet oder umfassend erneuert wird, sollte auch der energetische Zustand betrachtet werden.
Bei einem ungedämmten oder schwach gedämmten Dach kann es wenig sinnvoll sein, zunächst die PV-Unterkonstruktion fertigzustellen und wenige Jahre später erneut umfangreiche Arbeiten an derselben Fläche vorzunehmen.
Ob eine zusätzliche Dämmung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt vom Gebäude ab.
Der entscheidende Gedanke bleibt derselbe: Arbeiten auf dem Dach möglichst bündeln.
Gerüst, Absturzsicherung, Materialtransport und Baustelleneinrichtung verursachen Aufwand. Werden Dachdeckung, Dämmung und Photovoltaik koordiniert, können Schnittstellen sauberer geplant werden.
Dachhaken, Schienen und Befestigung sind keine Nebensache
Auf einem fertigen Solardach sind Montageschienen und Befestigungspunkte kaum noch sichtbar.
Genau dort werden jedoch Wind-, Schnee- und Eigenlasten zwischen Modulfeld und Gebäude übertragen.
Das Montagesystem muss deshalb zum vorhandenen Dach passen.
Dachtyp, Deckmaterial, Unterkonstruktion, Befestigungsgrund, Modulformat und lokale Einwirkungen gehören zusammen betrachtet.
Eine Befestigung, die auf einem neuen standardisierten Ziegeldach problemlos funktioniert, lässt sich nicht automatisch auf jede historische oder mehrfach umgebaute Dachkonstruktion übertragen.
Besonders sorgfältig sind Bereiche zu behandeln, an denen vorhandene Deckelemente bereits beschädigt oder ungewöhnlich verlegt sind.
Kaputte Ziegel gehören vor der Montage ersetzt
Während der Installation werden Teile eines Ziegeldachs geöffnet, Befestigungen gesetzt und Deckelemente wieder geschlossen.
Bei älteren Ziegeln können Materialalterung und frühere Schäden sichtbar werden.
Beschädigte Elemente sollten nicht unter dem fertigen Modulfeld verschwinden.
Ebenso sinnvoll ist die Frage nach Ersatzmaterial.
Bei sehr alten oder nicht mehr produzierten Ziegeltypen kann es schwierig werden, Jahre später passende Einzelstücke aufzutreiben. Eine kleine Reserve an geeigneten Deckelementen kann deshalb praktischer sein als improvisierte Reparaturen mit ähnlichen, aber nicht passenden Formaten.
Blitzschutz: PV macht das Gebäude nicht automatisch blitzschutzpflichtig
Photovoltaik auf dem Dach bedeutet nicht automatisch, dass das ganze Gebäude eine Blitzschutzanlage erhalten muss.
Besteht allerdings bereits ein äusseres Blitzschutzsystem, muss die neue PV-Anlage in das vorhandene Schutzkonzept einbezogen werden.
Das betrifft unter anderem Abstände, metallische Konstruktionen, Potenzialausgleich und Überspannungsschutz.
Die elektrische Planung darf deshalb nicht erst beginnen, nachdem alle Module verschraubt sind.
Swissolar verweist für die Schweiz aktuell auf die NIN 2025 und die entsprechenden Anforderungen für Photovoltaik-Stromversorgungssysteme.
Gerade bei älteren Gebäuden sollte zusätzlich geprüft werden, wie Erdung, Hauptverteilung und bestehende elektrische Infrastruktur ausgeführt sind.
Auch ein altes Elektrotableau gehört zur Bestandsaufnahme
Das Dach kann perfekt vorbereitet sein und trotzdem entstehen im Keller zusätzliche Arbeiten.
Der Solarstrom muss über Wechselrichter, Schutzeinrichtungen und elektrische Verteilung ins Gebäude beziehungsweise Netz eingebunden werden.
Bei älteren Häusern kann deshalb die bestehende Elektroinstallation Anpassungen benötigen.
Dazu gehören je nach Objekt Platzverhältnisse in der Verteilung, Schutzkomponenten, Leitungsführung und weitere elektrische Anforderungen.
Diese Arbeiten gehören in die Projektplanung und sollten in einer Offerte klar ausgewiesen sein.
Eine überraschende Zusatzrechnung für Elektroarbeiten kurz vor der Inbetriebnahme ist meist ein Zeichen dafür, dass die Bestandsaufnahme zu oberflächlich war.
Zugänglichkeit wird häufig erst nach der Montage vermisst
Eine Solaranlage ist vergleichsweise wartungsarm. Trotzdem muss das Dach später wieder sicher erreichbar sein.
Dachdecker müssen eventuell einen Anschluss kontrollieren. Die PV-Anlage kann nach einem Sturm überprüft werden müssen. Kamin, Lüftung, Dachfenster oder andere technische Einrichtungen benötigen weiterhin Zugang.
Deshalb darf die Modulbelegung nicht jede verfügbare Fläche ohne Rücksicht auf spätere Arbeiten schliessen.
Die Suva fordert sichere Zugänge und geeignete Schutzmassnahmen für Montage und spätere Instandhaltungsarbeiten.
Je nach Dach können dazu permanente Anschlagpunkte, Seil- oder Schienensysteme beziehungsweise andere Absturzsicherungen gehören.
Diese Einrichtungen sollten vor der Modulplanung feststehen. Ein Anschlagpunkt, den nach der Montage niemand mehr sicher erreicht, erfüllt seinen Zweck schlecht.
Mehr Module sind nicht immer die bessere Dachplanung
Eine möglichst grosse belegte Fläche kann energetisch sinnvoll sein. Trotzdem braucht jedes Dach Funktionsbereiche.
Relevant bleiben unter anderem:
- sichere Dachzugänge;
- Wartungsbereiche;
- Dachabläufe;
- Kamine;
- Lüftungsöffnungen;
- Dachfenster;
- Brandschutz- und Sicherheitsbereiche;
- Absturzsicherung;
- gegebenenfalls Schneefangsysteme.
Auf einem Flachdach dürfen insbesondere Abläufe nicht so verbaut werden, dass Kontrolle und Reinigung unnötig erschwert werden.
Eine gute Dachbelegung nutzt Fläche effizient, lässt dem Gebäude aber weiterhin Raum, als Dach zu funktionieren.
Arbeitssicherheit gehört schon in die Offerte
Die PV-Anlage beginnt nicht mit dem ersten Modul, sondern mit dem sicheren Zugang zum Arbeitsplatz.
Solarmontage ist Dacharbeit. Damit bestehen Absturz- und je nach Dach auch Durchsturzgefahren.
Die Suva betont, dass Kollektivschutz grundsätzlich Vorrang vor individuellem Schutz besitzt. Dazu zählen beispielsweise geeignete Gerüste oder Dachrandsicherungen.
Auch die spätere Instandhaltung gehört bereits in diese Planung.
EnergieSchweiz empfiehlt deshalb, in PV-Offerten nicht nur Module, Wechselrichter und Kabel zu vergleichen. Auch temporäre Sicherheitsmassnahmen während der Montage und permanente Lösungen für spätere Dacharbeiten sollten klar aufgeführt sein.
Eine Offerte ohne erkennbare Position für einen sicheren Dachzugang ist nicht automatisch günstiger. Möglicherweise fehlt schlicht eine notwendige Leistung.
Vor der Montage lohnt ein klarer Gewerke-Check
Photovoltaik ist ein Schnittstellenprojekt.
Typischerweise treffen mehrere Fachbereiche aufeinander:
- Dachdecker für Dachhaut und Deckung;
- Spengler für Anschlüsse und Blecharbeiten;
- Solarinstallateure für das PV-System;
- Elektrofachkräfte für Anschluss und Schutztechnik;
- bei Bedarf Bauingenieure für die Statik;
- Gerüstbauer beziehungsweise Fachleute für Absturzsicherung.
Je älter und ungewöhnlicher das Gebäude ist, desto wichtiger wird diese Zusammenarbeit.
Ein Anbieter kann viele Leistungen koordinieren. Entscheidend ist jedoch, dass in der Offerte klar steht, wer für welche Arbeit verantwortlich ist.
Bezeichnungen wie „schlüsselfertig“ reichen allein nicht aus, wenn Dachdecker-, Spengler- oder Statikleistungen später doch zusätzlich beauftragt werden müssen.
Video: Dachsanierung und Photovoltaik sinnvoll verbinden
Aufdach oder Indach: Der Dachzustand beeinflusst die Entscheidung
Ist das vorhandene Schrägdach noch langfristig intakt, spricht vieles für eine klassische Aufdachanlage.
Dabei bleibt die vorhandene Dachdeckung bestehen und übernimmt weiterhin ihre ursprüngliche Schutzfunktion. Die PV-Anlage wird darüber montiert.
Muss das Dach ohnehin vollständig neu gedeckt werden, kann dagegen eine Indachlösung interessant werden. Die Module ersetzen dabei Teile der eigentlichen Dachhaut.
Keine Variante ist grundsätzlich besser.
Bei einem intakten Bestandsdach wäre es wirtschaftlich wenig sinnvoll, eine funktionierende Eindeckung allein für eine Indachanlage zu entfernen. Bei einer ohnehin geplanten Neueindeckung kann die Rechnung anders aussehen.
Der Zeitpunkt der Sanierung bestimmt deshalb häufig mit, welche PV-Bauweise sinnvoll ist.
Bei geschützten Gebäuden früh mit den Behörden sprechen
Ältere Dächer gehören häufiger zu Gebäuden mit Ortsbild-, Denkmal- oder anderen Schutzanforderungen.
In der Schweiz können genügend angepasste Solaranlagen auf Dächern in vielen Fällen über ein Meldeverfahren realisiert werden. Für geschützte Objekte und besondere Situationen gelten jedoch weitergehende Anforderungen.
Gerade bei historischen Gebäuden sollte deshalb nicht erst nach Bestellung eines schwarzen Standardmoduls geklärt werden, ob Gestaltung und Montageform akzeptiert werden.
Indachanlagen, angepasste Modulfarben oder eine zurückhaltende Belegung können je nach Objekt planerische Optionen darstellen.
Die konkrete Beurteilung erfolgt jedoch objektspezifisch.
Der wirtschaftlich billigste Auftrag kann der teuerste sein
Bei einer PV-Offerte fallen Positionen wie Dachkontrolle, Statik oder Absturzsicherung auf, weil sie zunächst keinen zusätzlichen Strom erzeugen.
Gerade deshalb werden sie beim Preisvergleich leicht als Zusatzkosten wahrgenommen.
Diese Sicht ist kurzsichtig.
Eine billige Anlage auf einem sanierungsreifen Dach kann später Demontagekosten verursachen. Ein nicht ausreichend geprüftes Tragwerk kann Nacharbeiten erfordern. Eine schlecht geplante Leitungsdurchführung kann zu einem Feuchteschaden führen. Fehlende Zugänglichkeit verteuert spätere Dacharbeiten.
Der sinnvollere Vergleich betrachtet deshalb das Gesamtsystem über die geplante Nutzungsdauer.
Vor der Unterschrift: die praktische Dach-Checkliste
Vor der Montage sollten die folgenden Fragen beantwortet sein:
- Wie alt sind Dachdeckung beziehungsweise Flachdachabdichtung?
- Wie wird ihre Restlebensdauer eingeschätzt?
- Gibt es Undichtigkeiten oder bekannte Reparaturstellen?
- Ist das Unterdach in gutem Zustand?
- Wurde das Tragwerk beurteilt?
- Ist eine statische Prüfung erforderlich beziehungsweise erfolgt?
- Sind Schnee- und Windlasten berücksichtigt?
- Wie wird die Unterkonstruktion am Gebäude befestigt?
- Entstehen Dachdurchdringungen?
- Wie werden notwendige Durchdringungen dauerhaft abgedichtet?
- Gibt es Hinweise auf asbesthaltige Faserzementprodukte?
- Ist eine Dach- oder Dämmungssanierung ohnehin absehbar?
- Wie bleiben Abläufe, Kamine, Fenster und technische Einrichtungen zugänglich?
- Wie wird das Dach für spätere Arbeiten sicher erreicht?
- Sind temporäre und dauerhafte Absturzsicherungen eingeplant?
- Besteht bereits eine Blitzschutzanlage und wie wird die PV integriert?
- Ist die vorhandene Elektroinstallation für das Projekt geeignet?
- Wer übernimmt Dachdecker-, Spengler-, Elektro- und allfällige Statikarbeiten?
- Sind diese Leistungen und Kosten in der Offerte eindeutig beschrieben?
Wenn auf mehrere dieser Fragen keine klare Antwort existiert, ist die Planung noch nicht fertig.
Erst das Dach, dann die Module
Eine Photovoltaikanlage auf einem älteren Haus ist keineswegs problematisch. Im Gegenteil: Viele bestehende Gebäude bieten sehr gute Dachflächen für Solarstrom.
Entscheidend ist die Reihenfolge.
Bevor Leistung, Wechselrichter und Modulmarke diskutiert werden, sollte feststehen, dass das Dach die Anlage langfristig tragen und seine eigentliche Aufgabe weiterhin erfüllen kann.
Dazu gehören Tragfähigkeit, Restlebensdauer, Dichtigkeit, Befestigung, Wind- und Schneelasten ebenso wie sichere Zugänge und die elektrische Einbindung.
Besonders klar ist die Entscheidung, wenn das Dach ohnehin bald saniert werden muss. EnergieSchweiz empfiehlt eine Restlebensdauer von mindestens 25 Jahren. Liegt sie deutlich darunter, ist die gemeinsame Planung von Dachsanierung und Photovoltaik meist die sauberere Lösung.
Sie vermeidet unnötige Demontagen und schafft die Gelegenheit, Dachhaut, Dämmung, Unterkonstruktion, Sicherheitsausstattung und Solartechnik als ein gemeinsames Projekt zu behandeln.
Damit wird Photovoltaik nicht einfach auf ein altes Dach geschraubt. Sie wird Teil eines Gebäudes, das für die kommenden Jahrzehnte vorbereitet ist.
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