Photovoltaikanlage reinigen: Sinnvoll oder besser den Fachbetrieb rufen?
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Alltag architektenwelt.com bauenaktuell.ch Betrieb betriebseinrichtung.net business24.ch businessaktuell.ch Dach Elektro Elektronik elterntipps.ch Energie handwerker24.ch Haus Haus, Garten & Einrichtung hometipp.ch Infrastruktur Innovation Jahreszeiten Magazine Nachhaltigkeit nachrichtenticker.ch News Projekte Regionen Reinigung Schweiz Service Sommer Technik Technologie Themen Unternehmen wohnenaktuell.ch Ⳇ Verbreitung
Photovoltaikanlagen gelten als wartungsarm – trotzdem stellt sich für viele Besitzerinnen und Besitzer früher oder später die Frage: Lohnt sich eine Reinigung der Module, oder ist das reine Geldverschwendung? Die Antwort ist differenzierter, als viele Reinigungsfirmen glauben machen.
Photovoltaikmodule müssen in der Schweiz gesetzlich nicht gereinigt werden, und in den meisten Fällen erledigt der Regen einen Grossteil der Arbeit von selbst. Es gibt aber Situationen, in denen sich eine professionelle Reinigung tatsächlich lohnt. Dieser Ratgeber ordnet ein, wann das der Fall ist – und wann besser die Finger davon zu lassen sind.
Sind Photovoltaikmodule selbstreinigend?
Der Schweizerische Fachverband für Sonnenenergie Swissolar hält fest, dass normale Verschmutzungen wie Pollen oder Vogelkot in der Regel durch Niederschläge entfernt werden. Die glatte, meist steil geneigte Oberfläche moderner Module sorgt dafür, dass Regenwasser Schmutz weitgehend abspült. Für die grosse Mehrheit der Schweizer Einfamilienhaus-Anlagen mit üblicher Dachneigung ist eine regelmässige, fest eingeplante Reinigung deshalb schlicht nicht nötig.
Wann eine Reinigung wirklich sinnvoll ist
Anders sieht es in bestimmten Situationen aus. Swissolar nennt insbesondere folgende Fälle, in denen sich eine Reinigung lohnen kann:
- Dächer mit sehr geringer Neigung von weniger als 10 Grad, auf denen Wasser und Schmutz weniger gut abfliessen.
- Anlagen in der Nähe von Landwirtschaftsbetrieben, Ställen oder staubemittierenden Abbaugebieten, wo sich hartnäckiger Schmutz ansammelt.
- Module mit Moosbewuchs am unteren Rahmen, der sich mit der Zeit bilden kann.
- Anlagen mit sichtbaren, deutlichen Ertragseinbussen, die sich nicht anders erklären lassen.
In all diesen Fällen kann eine fachgerechte Reinigung die Erträge einer Anlage spürbar verbessern. Für die überwiegende Mehrheit der Hausdächer in normaler Umgebung ist der Effekt einer Reinigung dagegen gering – hier kann selbst eine günstige Reinigung wirtschaftlich wenig bringen. Wie stark eine bestimmte Anlage tatsächlich unter Verschmutzung leidet, muss von Fall zu Fall beurteilt werden. Angaben zu möglichen Ertragseinbussen schwanken in der Praxis stark zwischen zehn und dreissig Prozent, je nach Quelle und Anlagensituation – solche Zahlen von kommerziellen Reinigungsanbietern sollten daher eher als grobe Orientierung denn als feste Regel verstanden werden.
Warum falsches Reinigen mehr schadet als nützt
Wer sich zur Reinigung entschliesst, sollte einige Grundregeln beachten. Swissolar empfiehlt ausdrücklich, für die Reinigung nur demineralisiertes Wasser oder Regenwasser zu verwenden. Normales Leitungswasser hinterlässt Kalkflecken auf den Modulen. Von Reinigungsmitteln raten sowohl Swissolar als auch das Fraunhofer-Institut für Silizium-Photovoltaik CSP ausdrücklich ab: Sie können die empfindliche Antireflexschicht auf dem Modulglas beschädigen, was die Lichtausbeute dauerhaft verringert. Zudem drohen bei unsachgemässer Reinigung Garantieansprüche gegenüber dem Modulhersteller zu verfallen, und Reinigungsmittel können ins Grundwasser oder in Gewässer gelangen.
Auch beim Werkzeug ist Vorsicht geboten: Für die Reinigung eignen sich Teleskopstangen mit weichen Bürsten oder spezialisierte Reinigungsroboter, die das Modulglas nicht verkratzen. Die Module selbst dürfen dabei nicht betreten werden, da dies die empfindliche Glasoberfläche beschädigen kann.
Sichtprüfung: Was Eigentümer selbst tun können
Nicht jede Kontrolle erfordert einen Fachbetrieb. Eine Sichtprüfung der Anlage – idealerweise ein- bis zweimal jährlich im Frühling und im Herbst – lässt sich bei gut zugänglichen Anlagen, etwa auf Flachdächern oder bei bodennahen Montagesystemen, oft selbst durchführen. Dabei kann auf Verfärbungen, grobe Verschmutzungen, lose Kabel oder beschädigte Halterungen geachtet werden. Nach aussergewöhnlichen Wetterereignissen wie Hagel, Sturmböen oder einem Blitzeinschlag in der Nähe empfiehlt sich zusätzlich eine rasche Kontrolle, um mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen.
Wann der Fachbetrieb ran muss
Sobald die Anlage auf dem Dach montiert ist und eine tatsächliche Reinigung ansteht, führt laut Swissolar kein Weg an einem Fachunternehmen vorbei. Das gilt besonders für Steildächer, schwer zugängliche Anlagen und hartnäckigen Schmutz. Neben der reinen Reinigung bringt ein Fachbetrieb einen weiteren Vorteil: Reinigung und Sichtkontrolle lassen sich meist in einem Arbeitsgang kombinieren, sodass mögliche Schäden an Modulen, Verkabelung oder Montagesystem gleich mit erkannt werden. Eine tiefergehende elektrische Prüfung von Wechselrichter, Verkabelung und Überspannungsschutz empfiehlt sich ohnehin nur alle vier bis fünf Jahre durch eine Fachperson.
Sicherheit geht vor
Der wichtigste Grund für den Beizug einer Fachperson ist die Sicherheit. Bei Arbeiten auf dem Dach bestehen reale Absturz-, Durchsturz- und Stromschlaggefahren. Die Schweizerische Unfallversicherung Suva schreibt für Wartungs- und Reinigungsarbeiten an Photovoltaikanlagen entsprechende Arbeitssicherheitsvorschriften vor; bei Arbeiten von weniger als zwei Manntagen Dauer – wie es bei der Reinigung einer Einfamilienhausanlage meist der Fall ist – sind mindestens temporäre Sicherungsmassnahmen wie ein Anseilschutz vorgeschrieben. Für Laien ist eine Reinigung von der Leiter aus keine gute Idee: Neben der Absturzgefahr drohen bei unsachgemässem Vorgehen auch Schäden an der Anlage selbst.
Reinigungsroboter als moderne Alternative
Neben der klassischen Reinigung mit Teleskopstange und Bürste bieten manche Fachbetriebe mittlerweile auch automatisierte Reinigungsroboter an, die über die Modulreihen fahren und mit aufbereitetem Wasser arbeiten. Der Vorteil liegt in der gleichmässigen, schonenden Reinigung grösserer Flächen, etwa bei Industrie- oder Gewerbeanlagen. Für ein typisches Einfamilienhausdach ist der Einsatz eines Roboters meist unverhältnismässig; hier reicht die klassische Reinigung durch eine Fachperson in der Regel aus. Ergänzend bieten manche Anbieter auch ein Monitoring an, bei dem Sensoren Verschmutzungsgrad und Ertrag laufend erfassen und so zeigen, ob und wann sich eine Reinigung überhaupt lohnt – eine sinnvolle Ergänzung, um nicht ohne konkreten Anlass zu reinigen.
Reinigung, Garantie und Wartungsvertrag
Ein oft unterschätzter Punkt betrifft die Garantie. Zwar gibt es in der Schweiz keine gesetzliche Wartungspflicht, und ohne Wartung gehen grundsätzlich auch keine Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Installationsbetrieb oder Modulhersteller verloren. Vernachlässigt die Anlagenbesitzerin oder der Anlagenbesitzer die eigene Sorgfaltspflicht jedoch vollständig, kann im Schadensfall eine Mitverantwortung entstehen. Wird zudem mit ungeeigneten Mitteln wie aggressiven Reinigungsmitteln oder scharfkantigem Werkzeug gereinigt, drohen tatsächlich Garantieansprüche gegenüber dem Modulhersteller zu verfallen. Wer die Reinigung ohnehin regelmässig prüfen lassen möchte, kann sie bei vielen Energieversorgern und Solarfachbetrieben fest in einen Wartungsvertrag integrieren, der Reinigung und elektrische Kontrolle in einem Termin bündelt.
Kosten im Überblick
Eine gesetzliche Pflicht zur Reinigung gibt es in der Schweiz nicht, ebenso wenig einen fixen, schweizweit gültigen Tarif. Die Kosten hängen stark von Dachform, Zugänglichkeit, Verschmutzungsgrad und Region ab. Als grobe Orientierung nennen Anbieter Beträge zwischen einem und rund zweieinhalb Euro beziehungsweise einem vergleichbaren Frankenbetrag pro Quadratmeter Modulfläche; für eine typische Einfamilienhaus-Anlage ergeben sich daraus meist Beträge im niedrigen dreistelligen Bereich. Ein Wartungsvertrag mit fest eingeplanter, periodischer Reinigung kann günstiger ausfallen als mehrere Einzelaufträge, lohnt sich aber nur, wenn die Anlage tatsächlich zu den weiter oben beschriebenen Risikofällen zählt. Vor der Beauftragung lohnt sich in jedem Fall ein unverbindlicher Kostenvoranschlag, der die individuelle Zugänglichkeit und den tatsächlichen Verschmutzungsgrad der Anlage berücksichtigt.
Video-Tipp: So reinigst du deine PV-Anlage richtig
Worauf es bei der Reinigung von Photovoltaikmodulen ankommt und welche Fehler sich vermeiden lassen, zeigt dieses Video von EnBW.
Fazit: Reinigen oder nicht?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Für die meisten gut geneigten Photovoltaikanlagen auf Schweizer Einfamilienhäusern ist eine feste, regelmässige Reinigung weder gesetzlich vorgeschrieben noch wirtschaftlich notwendig – der Regen erledigt einen Grossteil der Arbeit von selbst. Bei geringer Dachneigung, hartnäckigem Schmutz, landwirtschaftlicher Umgebung oder sichtbaren Ertragseinbussen kann sich eine professionelle Reinigung dagegen lohnen. Wer selbst Hand anlegen möchte, sollte sich auf leicht zugängliche, bodennahe Anlagen beschränken und auf Reinigungsmittel sowie Leitungswasser verzichten. Für alles, was auf dem Dach passiert, gilt: Sicherheit geht vor Ersparnis – hier ist der Fachbetrieb die richtige Wahl.
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